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In Gedenken an Wolfgang Roloff - Ronny

10.03.1930 - 18.08.2011
Ölgemälde Wolfgang Roloff 1989
Wolfgang Roloff - Aquarell - 1988
Wolfgang Roloff - Aquarell - 1988
Wolfgang Roloff - Radierung - 1995 „Teufelsmoor im Winter“
„Seine Stimme, seinen Sound höre ich heute noch – und mein Leben lang!“
Gerd Ziemke Freund, Verehrer und offizieller Fanclubleiter
RONNY – Die Legende Es gibt Menschen, die einen ein Leben lang begleiten – auch dann noch, wenn sie längst gegangen sind. RONNY ist für mich einer von ihnen. Seine Stimme, seine Lieder, seine Art zu fühlen und auszudrücken – all das wurde für mich weit mehr als nur Musik. Es wurde Trost, Halt und ein Stück Zuhause. In Momenten der Stille, wenn die Welt für einen Augenblick innehält, ist er noch immer da. Und mehr noch: Ich hatte das große Glück, ihn nicht nur als Künstler zu erleben, sondern als Mensch. Aus Bewunderung wurde Nähe, aus Nähe wurde Freundschaft – eine Verbindung, die bis heute nachwirkt. So oft ich kann, besuche ich ihn. Es sind stille Momente am Grab – fast wie ein Gespräch ohne Worte. Ein Zwiegespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So führt mich mein Weg auch zu seiner Frauke. Ein kurzes Hallo, ein vertrauter Blick – und ich spüre, wie viel von ihnen noch immer lebendig ist. Doch RONNY war nicht nur Musiker. Was viele nicht wissen: Er war auch ein leidenschaftlicher Maler. Mit feinem Gespür für Licht und Stimmung hielt er Natur und Landschaft in Aquarell- und Ölbildern fest. Für ihn war das kein bloßer Zeitvertreib, sondern ein Rückzugsort – ein Gegenpol zum oft hektischen und fordernden Leben auf der Bühne. Einige seiner Freunde erhielten eines dieser Bilder als Geschenk. Es waren mehr als nur Gemälde – es waren persönliche Botschaften, eingefangen in Farbe und Gefühl. Auch ich darf mich glücklich schätzen: Vier echte Roloffs hängen in meinem Zuhause. Zwei davon trägt sogar eine persönliche Widmung. Und manchmal genügt ein Blick darauf, um innezuhalten. Und wenn es mir mal nicht so gut geht, dann sitze ich da, höre seine Musik und schaue hinaus in die Landschaft. Noch liegt der Nebel in den Bäumen, doch am Horizont kündigt sich bereits das Licht an. In solchen Momenten wird mir klar, wie tief seine Kunst wirkt. Danke, Ronny, Frauke und Peter Roloff für diese Geschenke. Und Ihnen gute Unterhaltung mit meiner Biografie über einen der bedeutendsten Sänger Deutschlands. Und vielleicht auch ein Stück von dem zu spüren, was mich seit so vielen Jahren begleitet. RONNYS Persönlichkeit war so überragend, dass sein künstlerischer Schatten weit über seinen Tod hinaus die Menschen bewegt und berührt. Seine Art, Liedern aller aller Genres einen ganz individuellen Klang-Stempel aufzudrücken, fasziniert bis heute Millionen von Menschen. Der Bremer Musiker und Musikant war berühmt als Tonmeister, Komponist und Soundtüftler der besonderen Art. Hein Simons erzählte im Interview gern, dass er RONNYS Tipps verinnerlichte, er inhalierte seine Musikalität und wurde so innerhalb kürzester Zeit zum Weltstar, im wahrsten Sinne des Wortes. Gigantisch war RONNYS Persönlichkeit, faszinierend seine Aura - und doch: Stets bodenständig und herzlich war seine Art und sein Charakter. RONNYS Musik hat bis heute nicht ihren ganz speziellen Reiz verloren. Der Weg zur Legende RONNYS Weg begann nicht im Rampenlicht, sondern in der Stille des genauen Hinhörens. Geboren wurde er als Wolfgang Roloff am 10. März 1930 in Bremen. Schon früh zeigte sich seine besondere Verbindung zur Musik – und zur Technik. Während andere Kinder spielten, lauschte er Klängen, analysierte Geräusche, zerlegte sie gedanklich und setzte sie neu zusammen. Sein Berufswunsch stand früh fest: Tontechniker. Nicht der Applaus reizte ihn zunächst, sondern das Unsichtbare dahinter – der Klang, die Tiefe, die Wirkung. Aus dem wissbegierigen jungen Mann wurde ein Kenner, aus dem Kenner ein Meister. Und schließlich jemand, der sein Wissen weitergab. Seine Leidenschaft war kein flüchtiger Funke – sie war ein dauerhaftes Feuer. Er verfügte über ein außergewöhnliches Gehör. Oft hörte er ein Musikstück bereits in seiner endgültigen Form, noch bevor es aufgenommen war. Dieses „innere Hören“ machte ihn zu einem Perfektionisten, der keine Kompromisse kannte. Zeit spielte für ihn dabei keine Rolle. Wenn es darum ging, das Beste zu erreichen, vergaß er alles um sich herum. So entstand ein künstlerisches Profil, das sich kaum in eine Schublade einordnen lässt: Toningenieur, Tonmeister, Tonregisseur, Sänger und Komponist – all das war Wolfgang Roloff. Doch keine dieser Bezeichnungen allein wird ihm gerecht. Seine besondere Fähigkeit lag darin, Stimmen nicht nur aufzunehmen, sondern ihnen Seele zu geben. Erste Erfolge Die ersten Schritte in die Öffentlichkeit machte er in verschiedenen Bands, die unter anderem in Clubs der amerikanischen Besatzungsmacht auftraten. Die Autritte waren ein großer Erfolg. Denn das Trio parodierte amerikanische Interpreten. Und doch es waren Jahre des Lernens, des Ausprobierens – und des Wachsens. 1954 kam der erste spürbare Durchbruch: Mit dem Valerie Trio gelang ihm der Einstieg in eine breitere Öffentlichkeit. Titel wie „Ach Walther, Walther“ und „Ach, hätt ich das Gefühl doch mal“ fanden ihren Weg in die Herzen der Menschen. Auch die Filmwelt wurde auf ihn aufmerksam. In „An jedem Finger zehn“ war Hans Albers, Bibi Johns, Rudolf Schock, Kenneth Spencer u.v.a. gemeinsam mit dem „Valerie Trio“ zu sehen – ein weiterer Schritt nach vorn Es folgten Auftritte in ganz Europa, sogar in der damaligen DDR. Die Bühnen wurden größer, das Publikum zahlreicher – und doch blieb er sich selbst treu. Was hier begann, war mehr als nur eine Karriere. Es war der Anfang einer Legende. Musikalische Vielfalt Nach personellen Veränderungen im Ensemble erschienen weitere Erfolge u.a. „Mister Brown aus Dixie Town“, „Von den blauen Bergen kommen wir“ und „Der schwarze Bill“. Diese Aufnahmen nahm er als Duo „Bob und Eddy“ auf. Wolfgang Börner war dabei sein Partner. Es existiert nur eine einzige Single-Schallplatte unter seinem echten Namen Wolfgang Roloff. Später gründete er gemeinsam mit Rolf Simson die Gruppe „Die Colorados“,deren Aufnahmen beim Label Philips erschienen. Wichtig: Eine andere Gruppe gleichen Namens veröffentlichte ebenfalls bei Polydor – mit dieser Formation hatten Roloff und Simson jedoch nichts zu tun. Anschließend gründete er mit seinem Bruder Kai Warner die Band „The Blizzards“. Doch auch als Instrumentalist machte Wolfgang Roloff von sich reden. Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte er Musik, darunter: „Das Melodia Orchester“, „The Telstars“, „Truman Baker and his Orchestra“ „Maxim Boris and his Orchestra“ und „Roger Ford and his Orchestra“ All dies vereinte er in Personalunion. Trompete spielte jeweils Karl-Heinz Becker. Schon damals galt er als „Soundbastler“, der unermüdlich an Klangverbesserungen arbeitete,der Stunden über Stunden im Studio verbrachte, um immer wieder Klangverbesserungen zu erkunden. Der Durchbruch als RONNY 1963 sang er Bänkellieder und veröffentlichte unter dem Pseudonym „Otto Bänkel“ auf einer Single die Moritat von „Des Klempners Töchterlein“. 1964 wurde aus Wolfgang Roloff schließlich RONNY. Die Namensidee hatte der Erfolgs-Texter Hans Hee, ein guter Freund und Wegbegleiter von RONNY. Er erfand den Namen für die Single „Oh My Darling Caroline“ mit dieser gelang ihm über Nacht der Durchbruch. Im Westernfilm „Die schwarzen Adler von Santa Fe“ war er mit dem Titel „Kenn ein Land“ vertreten – seinerzeit ein großer Kinoerfolg. Auch die B-Seite „Kleine Annabell“ entwickelte sich ebenfalls zu einem beliebten Titel. Die sogar viel populärer wurde. Erfolg und Wandel RONNY landete Hit auf Hit: „Kein Gold im Blue River“, „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“, „Eine kleine Träne“, „Bei dir am Red River“ und „Jesse James“ u.v.a. Doch er blieb nicht beim Western-Image stehen. Dann aber erweiterte er sein Spektrum mit der Single „Er war nur ein armer Zigeuner“ und später „Wenn der Tag zu Ende geht“ zeigte er die ganze Tiefe seiner Stimme. Volkslieder und kulturelle Verbundenheit Eine besondere Herzensangelegenheit waren für ihn deutsche Volkslieder wie: „Im schönsten Wiesengrunde“, „An der Saale hellem Strande“, „Du, du liegst mir im Herzen“, „Guter Mond, du gehst so stille“ und „Hohe Tannen“ u.v.a. Er sagte einmal damal in einem Interview: „Wenn eine Nation ihre Volkslieder vergisst, verliert sie ihre Identität.“ Auch seiner norddeutschen Heimat blieb er eng verbunden. Shantys wie„Wo de Nordeewellen trekken an den Strand“, „Kleine Möwe flieg nach Helgoland“ zeugen davon. Und vergrößerte so mit diesen Seemannsliedern seine Fan-Gemeinde. Und ein wichtiges Thema jener Zeit waren die sogenannten „Heimatvertriebenen“ denen RONNY unter anderem mit der des Riesengebirges „Hohe Tannen“ bescherte. RONNY entdeckte nun die Russische Folklore für sich, denn der besondere Klang von Moll-Harmonien begeisterte ihn. Sierra Madre del Sur - Ein Lied für die Ewigkeit 1970 entstand gemeinsam mit Hans Hee eines seiner bedeutendsten Werke: „Sierra Madre del sur“. Ein Lied, das Generationen überdauerte – vielfach gecovert, in zahlreiche Sprachen übertragen und bis heute eines der meistgespielten Lieder im deutschsprachigen Raum. Und führt immer noch die GEMA-Liste der Live-Aufführungen im Bereich U-Musik an. Auch Mel Jersey vom Duo Judith & Mel durfte damal in Englisch das Lied Sierra Madre del Sur“ aufnehmen. Für mich ist eine der schönsten Coverversionen von „Sierra Madre del Sur“ die von Mike Telkamp. Der Mensch hinter der Musik Im Studio war Ronny nicht nur Perfektionist, sondern auch ein Mensch mit außergewöhnlicher Wärme. Er begegneten Künstlern auf Augenhöhe – ob Anfänger oder Star. Viele erinnern sich nicht nur an seine Arbeit, sondern auch an seine Gastfreundschaft. Wer sein Studio betrat, wurde oft zuerst in die Küche geführt. Dort stand Ronny am Herd – und seine legendären Gerichte waren fast ebenso berühmt wie seine Musik. In seinem Studio produzierte er damals auch Silva Manos, die später bei all seinen Liedern im Chor mitwirkte. Aber auch der bereits erwähnte Oldenburger Mel Jersey sowie die Sängerin Maria Prado und Sigi Hoppe produzierten bei ihm, u.v.a. Ronny und Heintje Der Manager Addy Kleijngeld brachte Heintje nach Bremen, und dem Jungen aus Holland stand ein väterlicher Mann mit einer beruhigend wirkenden Stimme gegenüber. Noch heute weiß Hein, wie er ihm die anfängliche Aufregung nahm. Seine selbst gebratenen Bouletten musste jeder, der zu Ronny kam, in seiner Studioküche als Erstes kosten. Das liebte Ronny – am Herd stehen und braten. Seine Koteletts waren legendär; das Geheimnis seiner besonderen Panade hat Ronny mit ins Grab genommen. Was seinen Künstlern blieb, war der Geschmack auf der Zunge und die Gewissheit, dass es ein besonderes Kapitel deutscher Musikgeschichte ohne Ronny nicht gegeben hätte. Addy Kleijngeld, Hans Hee und Ronny komponierten und texteten gemeinsam und trugen so maßgeblich zu Heintjes Erfolg bei. So wurde Heintje zu einem Weltstar, und es gibt Tonträger aus aller Welt. Rückzug und Vermächtnis Mitte der 1970er-Jahre zog sich Ronny zunehmend als Sänger zurück, um sich auf Komposition und Produktion zu konzentrieren. 1981 kehrte er noch einmal auf die große Bühne zurück – mit einem umjubelten Auftritt bei der ZDF-Gala „Unsere schönsten volkstümlichen Lieder“. 1981 trat Ronny noch einmal mit einem umjubelten Auftritt und dem Titel „Hohe Tannen“ in der großen ZDF-Gala „Unsere schönsten volkstümlichen Lieder“ in der Dortmunder Westfalenhalle auf. 1984 nahm Wolfgang Roloff seine letzte Langspielplatte „Die Stimme des Meeres“ auf – sie war sein Dankeschön an seine Heimat. Rückzug und spätere Jahre Mitte der 1970er-Jahre zog sich Ronny als Sänger zurück und arbeitete fortan als Komponist, Produzent und im Mastering. Wolfgang Roloff, der auch schon immer gerne mit der Musik experimentierte, nahm 1977 dann eine Single unter dem Pseudonym "Truman Bley's African-Rhythm-Machine" mit Pete(r) Bauchwitz alias Peter Osborne/Peter Bancroft auf. Diese Aufnahmen waren in Mittel- und Süd-Europa ein großer Erfolg. In seinem Studio produzierte er zahlreiche Künstler. Und dann mit der Gruppe Thirsty Moon „Starchaser“ eine LP-Produktion, veröffentlicht wurde diese LP 1981. Bei der Aufnahme „Lovers on the run“ singt Ronny die Background-Vocals und bei „The seals“ hat er Soundeffekte mit der Geige beigesteuert. Auf der Cover-Rückseite ist RONNY auch mit abgebildet. Autoren-Pseudonyme von Wolfgang Roloff sind Wolf Hausmann, W. Hausmann, Hausmann, Peter Hayhouse, P. Hayhouse. Anschließend konzentrierte er sich ausschließlich auf sein SNB-Musikstudio mit Aufnahmen und dem Mastering. Ein letzter musikalischer Moment Bis auf zwei kleine Ausnahmen, die für Ronny eine Herzensangelegenheit waren: Als Ronny nur noch aus Lust und Liebe Shantychöre produzierte, finanziell hochkarätige TV-Angebote absagte und nur noch aus „Spaß an der Freud“, wie er es nannte, sang, fragte Hein Simons ihn: „Ronny, ich wünsche mir so sehr, mit dir ein Duett zu singen.“ 2005 erfüllte er Hein Simons seinen Wunsch: Für das gemeinsame Lied „Sierra Madre del Sur“ ging Ronny dann doch noch einmal ins Studio. Wer ihn je dort erlebte, vergisst nie diesen Mann, auf seinem Studiohocker sitzend, das Mikrofon ganz dicht an seinem Mund, mit einem besonderen Glanz in den Augen, wenn die Musik erklang. Eine weitere besondere Aufnahme aus dem Jahr 2005 war „De schönsten Johren“, die erst später im Nachlass der Mutter von Peter Roloff entdeckt wurde. Sie ist eine Hommage an seine norddeutsche Heimat. Abschied Wolfgang Roloff verstarb am 18. August 2011 in Bremen. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in seiner Heimatstadt Bremen auf dem Friedhof Walle. InBremen/Walle 28219 Bremen, Waller-Friedhofstraße 1. Dort ruht auch seine geliebte Frauke, die am 17. April 2024 in Bremen verstarb. Bescheiden, stilvoll und immer gepflegt, so zeigt sich die Grabstätte BB Grabnummer 357. Wolfgang Roloffs Nachlass Sein Vermächtnis für uns alle sind seine Lieder und die Musik. Sein geliebtes SNB-Studio ist heute verpachtet. Peter Roloff, Filmemacher und Produzent, lebt mit seiner Familie in Berlin. Und es gibt noch Unveröffentlichte Aufnahmen von Ronny, Als de dag ten einde gaat (Niederländisch gesungen - Wenn der Tag zu Ende geht) Los jinetes negros pasanya (Spanisch gesungen - Schwarze Reiter ziehen durch die Nacht) My Bonnie Is over the Ocean (Schnellere Version) Auf YouTube ! Oh My Darling Caroline (Spezialschluss) Rebeca (Spanisch gesungen - Rebecca) Una sola vez (Spanisch gesungen - Eine kleine Träne) Wolgalied (Niederländisch gesungen) Danksagung Meinen besonderen Dank richte ich an: Peter Roloff und Michael Niekammer. Gerd Ziemke
Von Links: Hans Hee -Heintje - Addy Kleijngeld - RONNY
„Die letzten drei Bilder zeigen Motive aus dem von ihm geliebten Teufelsmoor bei Bremen.“
Wolfgang Roloff-Ronny 10.03.1930 - 18.08.2011
© Bilder by Norbert Unfried, Wolfgang Roloff, Gerd Ziemke 2025

Ronny Biografie

Ölgemälde Wolfgang Roloff 1989
Wolfgang Roloff - Aquarell - 1988
Wolfgang Roloff - Aquarell - 1988
Wolfgang Roloff - Radierung - 1995 „Teufelsmoor im Winter“
„Seine Stimme, seinen Sound höre ich heute noch – und mein Leben lang!“
Gerd Ziemke Freund, Verehrer und offizieller Fanclubleiter
RONNY – Die Legende Es gibt Menschen, die einen ein Leben lang begleiten – auch dann noch, wenn sie längst gegangen sind. RONNY ist für mich einer von ihnen. Seine Stimme, seine Lieder, seine Art zu fühlen und auszudrücken – all das wurde für mich weit mehr als nur Musik. Es wurde Trost, Halt und ein Stück Zuhause. In Momenten der Stille, wenn die Welt für einen Augenblick innehält, ist er noch immer da. Und mehr noch: Ich hatte das große Glück, ihn nicht nur als Künstler zu erleben, sondern als Mensch. Aus Bewunderung wurde Nähe, aus Nähe wurde Freundschaft – eine Verbindung, die bis heute nachwirkt. So oft ich kann, besuche ich ihn. Es sind stille Momente am Grab – fast wie ein Gespräch ohne Worte. Ein Zwiegespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So führt mich mein Weg auch zu seiner Frauke. Ein kurzes Hallo, ein vertrauter Blick – und ich spüre, wie viel von ihnen noch immer lebendig ist. Doch RONNY war nicht nur Musiker. Was viele nicht wissen: Er war auch ein leidenschaftlicher Maler. Mit feinem Gespür für Licht und Stimmung hielt er Natur und Landschaft in Aquarell- und Ölbildern fest. Für ihn war das kein bloßer Zeitvertreib, sondern ein Rückzugsort – ein Gegenpol zum oft hektischen und fordernden Leben auf der Bühne. Einige seiner Freunde erhielten eines dieser Bilder als Geschenk. Es waren mehr als nur Gemälde – es waren persönliche Botschaften, eingefangen in Farbe und Gefühl. Auch ich darf mich glücklich schätzen: Vier echte Roloffs hängen in meinem Zuhause. Zwei davon trägt sogar eine persönliche Widmung. Und manchmal genügt ein Blick darauf, um innezuhalten. Und wenn es mir mal nicht so gut geht, dann sitze ich da, höre seine Musik und schaue hinaus in die Landschaft. Noch liegt der Nebel in den Bäumen, doch am Horizont kündigt sich bereits das Licht an. In solchen Momenten wird mir klar, wie tief seine Kunst wirkt. Danke, Ronny, Frauke und Peter Roloff für diese Geschenke. Und Ihnen gute Unterhaltung mit meiner Biografie über einen der bedeutendsten Sänger Deutschlands. Und vielleicht auch ein Stück von dem zu spüren, was mich seit so vielen Jahren begleitet. RONNYS Persönlichkeit war so überragend, dass sein künstlerischer Schatten weit über seinen Tod hinaus die Menschen bewegt und berührt. Seine Art, Liedern aller aller Genres einen ganz individuellen Klang-Stempel aufzudrücken, fasziniert bis heute Millionen von Menschen. Der Bremer Musiker und Musikant war berühmt als Tonmeister, Komponist und Soundtüftler der besonderen Art. Hein Simons erzählte im Interview gern, dass er RONNYS Tipps verinnerlichte, er inhalierte seine Musikalität und wurde so innerhalb kürzester Zeit zum Weltstar, im wahrsten Sinne des Wortes. Gigantisch war RONNYS Persönlichkeit, faszinierend seine Aura - und doch: Stets bodenständig und herzlich war seine Art und sein Charakter. RONNYS Musik hat bis heute nicht ihren ganz speziellen Reiz verloren. Der Weg zur Legende RONNYS Weg begann nicht im Rampenlicht, sondern in der Stille des genauen Hinhörens. Geboren wurde er als Wolfgang Roloff am 10. März 1930 in Bremen. Schon früh zeigte sich seine besondere Verbindung zur Musik – und zur Technik. Während andere Kinder spielten, lauschte er Klängen, analysierte Geräusche, zerlegte sie gedanklich und setzte sie neu zusammen. Sein Berufswunsch stand früh fest: Tontechniker. Nicht der Applaus reizte ihn zunächst, sondern das Unsichtbare dahinter – der Klang, die Tiefe, die Wirkung. Aus dem wissbegierigen jungen Mann wurde ein Kenner, aus dem Kenner ein Meister. Und schließlich jemand, der sein Wissen weitergab. Seine Leidenschaft war kein flüchtiger Funke – sie war ein dauerhaftes Feuer. Er verfügte über ein außergewöhnliches Gehör. Oft hörte er ein Musikstück bereits in seiner endgültigen Form, noch bevor es aufgenommen war. Dieses „innere Hören“ machte ihn zu einem Perfektionisten, der keine Kompromisse kannte. Zeit spielte für ihn dabei keine Rolle. Wenn es darum ging, das Beste zu erreichen, vergaß er alles um sich herum. So entstand ein künstlerisches Profil, das sich kaum in eine Schublade einordnen lässt: Toningenieur, Tonmeister, Tonregisseur, Sänger und Komponist – all das war Wolfgang Roloff. Doch keine dieser Bezeichnungen allein wird ihm gerecht. Seine besondere Fähigkeit lag darin, Stimmen nicht nur aufzunehmen, sondern ihnen Seele zu geben. Erste Erfolge Die ersten Schritte in die Öffentlichkeit machte er in verschiedenen Bands, die unter anderem in Clubs der amerikanischen Besatzungsmacht auftraten. Die Autritte waren ein großer Erfolg. Denn das Trio parodierte amerikanische Interpreten. Und doch es waren Jahre des Lernens, des Ausprobierens – und des Wachsens. 1954 kam der erste spürbare Durchbruch: Mit dem Valerie Trio gelang ihm der Einstieg in eine breitere Öffentlichkeit. Titel wie „Ach Walther, Walther“ und „Ach, hätt ich das Gefühl doch mal“ fanden ihren Weg in die Herzen der Menschen. Auch die Filmwelt wurde auf ihn aufmerksam. In „An jedem Finger zehn“ war Hans Albers, Bibi Johns, Rudolf Schock, Kenneth Spencer u.v.a. gemeinsam mit dem „Valerie Trio“ zu sehen – ein weiterer Schritt nach vorn Es folgten Auftritte in ganz Europa, sogar in der damaligen DDR. Die Bühnen wurden größer, das Publikum zahlreicher – und doch blieb er sich selbst treu. Was hier begann, war mehr als nur eine Karriere. Es war der Anfang einer Legende. Musikalische Vielfalt Nach personellen Veränderungen im Ensemble erschienen weitere Erfolge u.a. „Mister Brown aus Dixie Town“, „Von den blauen Bergen kommen wir“ und „Der schwarze Bill“. Diese Aufnahmen nahm er als Duo „Bob und Eddy“ auf. Wolfgang Börner war dabei sein Partner. Es existiert nur eine einzige Single-Schallplatte unter seinem echten Namen Wolfgang Roloff. Später gründete er gemeinsam mit Rolf Simson die Gruppe „Die Colorados“,deren Aufnahmen beim Label Philips erschienen. Wichtig: Eine andere Gruppe gleichen Namens veröffentlichte ebenfalls bei Polydor – mit dieser Formation hatten Roloff und Simson jedoch nichts zu tun. Anschließend gründete er mit seinem Bruder Kai Warner die Band „The Blizzards“. Doch auch als Instrumentalist machte Wolfgang Roloff von sich reden. Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte er Musik, darunter: „Das Melodia Orchester“, „The Telstars“, „Truman Baker and his Orchestra“ „Maxim Boris and his Orchestra“ und „Roger Ford and his Orchestra“ All dies vereinte er in Personalunion. Trompete spielte jeweils Karl-Heinz Becker. Schon damals galt er als „Soundbastler“, der unermüdlich an Klangverbesserungen arbeitete,der Stunden über Stunden im Studio verbrachte, um immer wieder Klangverbesserungen zu erkunden. Der Durchbruch als RONNY 1963 sang er Bänkellieder und veröffentlichte unter dem Pseudonym „Otto Bänkel“ auf einer Single die Moritat von „Des Klempners Töchterlein“. 1964 wurde aus Wolfgang Roloff schließlich RONNY. Die Namensidee hatte der Erfolgs-Texter Hans Hee, ein guter Freund und Wegbegleiter von RONNY. Er erfand den Namen für die Single „Oh My Darling Caroline“ mit dieser gelang ihm über Nacht der Durchbruch. Im Westernfilm „Die schwarzen Adler von Santa Fe“ war er mit dem Titel „Kenn ein Land“ vertreten – seinerzeit ein großer Kinoerfolg. Auch die B-Seite „Kleine Annabell“ entwickelte sich ebenfalls zu einem beliebten Titel. Die sogar viel populärer wurde. Erfolg und Wandel RONNY landete Hit auf Hit: „Kein Gold im Blue River“, „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“, „Eine kleine Träne“, „Bei dir am Red River“ und „Jesse James“ u.v.a. Doch er blieb nicht beim Western-Image stehen. Dann aber erweiterte er sein Spektrum mit der Single „Er war nur ein armer Zigeuner“ und später „Wenn der Tag zu Ende geht“ zeigte er die ganze Tiefe seiner Stimme. Volkslieder und kulturelle Verbundenheit Eine besondere Herzensangelegenheit waren für ihn deutsche Volkslieder wie: „Im schönsten Wiesengrunde“, „An der Saale hellem Strande“, „Du, du liegst mir im Herzen“, „Guter Mond, du gehst so stille“ und „Hohe Tannen“ u.v.a. Er sagte einmal damal in einem Interview: „Wenn eine Nation ihre Volkslieder vergisst, verliert sie ihre Identität.“ Auch seiner norddeutschen Heimat blieb er eng verbunden. Shantys wie„Wo de Nordeewellen trekken an den Strand“, „Kleine Möwe flieg nach Helgoland“ zeugen davon. Und vergrößerte so mit diesen Seemannsliedern seine Fan-Gemeinde. Und ein wichtiges Thema jener Zeit waren die sogenannten „Heimatvertriebenen“ denen RONNY unter anderem mit der des Riesengebirges „Hohe Tannen“ bescherte. RONNY entdeckte nun die Russische Folklore für sich, denn der besondere Klang von Moll-Harmonien begeisterte ihn. Sierra Madre del Sur - Ein Lied für die Ewigkeit 1970 entstand gemeinsam mit Hans Hee eines seiner bedeutendsten Werke: „Sierra Madre del sur“. Ein Lied, das Generationen überdauerte – vielfach gecovert, in zahlreiche Sprachen übertragen und bis heute eines der meistgespielten Lieder im deutschsprachigen Raum. Und führt immer noch die GEMA-Liste der Live-Aufführungen im Bereich U-Musik an. Auch Mel Jersey vom Duo Judith & Mel durfte damal in Englisch das Lied Sierra Madre del Sur“ aufnehmen. Für mich ist eine der schönsten Coverversionen von „Sierra Madre del Sur“ die von Mike Telkamp. Der Mensch hinter der Musik Im Studio war Ronny nicht nur Perfektionist, sondern auch ein Mensch mit außergewöhnlicher Wärme. Er begegneten Künstlern auf Augenhöhe – ob Anfänger oder Star. Viele erinnern sich nicht nur an seine Arbeit, sondern auch an seine Gastfreundschaft. Wer sein Studio betrat, wurde oft zuerst in die Küche geführt. Dort stand Ronny am Herd – und seine legendären Gerichte waren fast ebenso berühmt wie seine Musik. In seinem Studio produzierte er damals auch Silva Manos, die später bei all seinen Liedern im Chor mitwirkte. Aber auch der bereits erwähnte Oldenburger Mel Jersey sowie die Sängerin Maria Prado und Sigi Hoppe produzierten bei ihm, u.v.a. Ronny und Heintje Der Manager Addy Kleijngeld brachte Heintje nach Bremen, und dem Jungen aus Holland stand ein väterlicher Mann mit einer beruhigend wirkenden Stimme gegenüber. Noch heute weiß Hein, wie er ihm die anfängliche Aufregung nahm. Seine selbst gebratenen Bouletten musste jeder, der zu Ronny kam, in seiner Studioküche als Erstes kosten. Das liebte Ronny – am Herd stehen und braten. Seine Koteletts waren legendär; das Geheimnis seiner besonderen Panade hat Ronny mit ins Grab genommen. Was seinen Künstlern blieb, war der Geschmack auf der Zunge und die Gewissheit, dass es ein besonderes Kapitel deutscher Musikgeschichte ohne Ronny nicht gegeben hätte. Addy Kleijngeld, Hans Hee und Ronny komponierten und texteten gemeinsam und trugen so maßgeblich zu Heintjes Erfolg bei. So wurde Heintje zu einem Weltstar, und es gibt Tonträger aus aller Welt. Rückzug und Vermächtnis Mitte der 1970er-Jahre zog sich Ronny zunehmend als Sänger zurück, um sich auf Komposition und Produktion zu konzentrieren. 1981 kehrte er noch einmal auf die große Bühne zurück – mit einem umjubelten Auftritt bei der ZDF-Gala „Unsere schönsten volkstümlichen Lieder“. 1981 trat Ronny noch einmal mit einem umjubelten Auftritt und dem Titel „Hohe Tannen“ in der großen ZDF-Gala „Unsere schönsten volkstümlichen Lieder“ in der Dortmunder Westfalenhalle auf. 1984 nahm Wolfgang Roloff seine letzte Langspielplatte „Die Stimme des Meeres“ auf – sie war sein Dankeschön an seine Heimat. Rückzug und spätere Jahre Mitte der 1970er-Jahre zog sich Ronny als Sänger zurück und arbeitete fortan als Komponist, Produzent und im Mastering. Wolfgang Roloff, der auch schon immer gerne mit der Musik experimentierte, nahm 1977 dann eine Single unter dem Pseudonym "Truman Bley's African-Rhythm-Machine" mit Pete(r) Bauchwitz alias Peter Osborne/Peter Bancroft auf. Diese Aufnahmen waren in Mittel- und Süd-Europa ein großer Erfolg. In seinem Studio produzierte er zahlreiche Künstler. Und dann mit der Gruppe Thirsty Moon „Starchaser“ eine LP-Produktion, veröffentlicht wurde diese LP 1981. Bei der Aufnahme „Lovers on the run“ singt Ronny die Background-Vocals und bei „The seals“ hat er Soundeffekte mit der Geige beigesteuert. Auf der Cover-Rückseite ist RONNY auch mit abgebildet. Autoren-Pseudonyme von Wolfgang Roloff sind Wolf Hausmann, W. Hausmann, Hausmann, Peter Hayhouse, P. Hayhouse. Anschließend konzentrierte er sich ausschließlich auf sein SNB-Musikstudio mit Aufnahmen und dem Mastering. Ein letzter musikalischer Moment Bis auf zwei kleine Ausnahmen, die für Ronny eine Herzensangelegenheit waren: Als Ronny nur noch aus Lust und Liebe Shantychöre produzierte, finanziell hochkarätige TV-Angebote absagte und nur noch aus „Spaß an der Freud“, wie er es nannte, sang, fragte Hein Simons ihn: „Ronny, ich wünsche mir so sehr, mit dir ein Duett zu singen.“ 2005 erfüllte er Hein Simons seinen Wunsch: Für das gemeinsame Lied „Sierra Madre del Sur“ ging Ronny dann doch noch einmal ins Studio. Wer ihn je dort erlebte, vergisst nie diesen Mann, auf seinem Studiohocker sitzend, das Mikrofon ganz dicht an seinem Mund, mit einem besonderen Glanz in den Augen, wenn die Musik erklang. Eine weitere besondere Aufnahme aus dem Jahr 2005 war „De schönsten Johren“, die erst später im Nachlass der Mutter von Peter Roloff entdeckt wurde. Sie ist eine Hommage an seine norddeutsche Heimat. Abschied Wolfgang Roloff verstarb am 18. August 2011 in Bremen. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in seiner Heimatstadt Bremen auf dem Friedhof Walle. InBremen/Walle 28219 Bremen, Waller-Friedhofstraße 1. Dort ruht auch seine geliebte Frauke, die am 17. April 2024 in Bremen verstarb. Bescheiden, stilvoll und immer gepflegt, so zeigt sich die Grabstätte BB Grabnummer 357. Wolfgang Roloffs Nachlass Sein Vermächtnis für uns alle sind seine Lieder und die Musik. Sein geliebtes SNB-Studio ist heute verpachtet. Peter Roloff, Filmemacher und Produzent, lebt mit seiner Familie in Berlin. Und es gibt noch Unveröffentlichte Aufnahmen von Ronny, Als de dag ten einde gaat (Niederländisch gesungen - Wenn der Tag zu Ende geht) Los jinetes negros pasanya (Spanisch gesungen - Schwarze Reiter ziehen durch die Nacht) My Bonnie Is over the Ocean (Schnellere Version) Auf YouTube ! Oh My Darling Caroline (Spezialschluss) Rebeca (Spanisch gesungen - Rebecca) Una sola vez (Spanisch gesungen - Eine kleine Träne) Wolgalied (Niederländisch gesungen) Danksagung Meinen besonderen Dank richte ich an: Peter Roloff und Michael Niekammer. Gerd Ziemke
Von Links: Hans Hee -Heintje - Addy Kleijngeld - RONNY
„Die letzten drei Bilder zeigen Motive aus dem von ihm geliebten Teufelsmoor bei Bremen.“
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